Was ich mit Liebe betrachte

Im Rahmen des Schreibwettbewerbs „Sprachtalente gesucht“, den die Stiftung der Volksbank Bruchsal-Bretten im Oktober 2021 ausgerichtet hat (https://www.stiftung-voba-bb.de/wettbewerbe/sprachtalente-gesucht.html), wurde die folgende Kurzgeschichte mit dem 2. Platz ausgezeichnet.

Lena Sahiti (Js1) hat diesen Text zu der Frage ‚Was ist schön?‘ verfasst.

Wir gratulieren ihr herzlich!

Sie stand am Fenster und atmete die kalte frische Luft. Ein Windzug streichelte über ihre faltige Haut, die Knie zittrig und zerbrechlich. Sie schmerzten. Erschöpft ließ sie sich auf den Sessel vor dem Fenster fallen und begann zu schmunzeln.

Ein starres gefälschtes Lächeln und die Augen weit aufgerissen. Hohe Schuhe, um die kurzen Beine zu tarnen. Neidisch auf die blauen Augen und die blonden langen Haare. Stattdessen gelocktes dunkles zerzaustes Haar, gezähmt mit unzähligen Spangen, sodass es niemand bemerkte. Schon von klein auf ist sie in der Sonne gesessen, bis ihre gerötete Haut vor Schmerz brannte. Aus Hoffnung, jene Haare würden an Dunkelheit verlieren. Blicken von links und rechts standhalten, als bemerke man sie nicht. Ein Korsett, um die Taille noch schmaler wirken zu lassen. Ein Druck, der auf jedem lastet, mit dem man jedoch alleingelassen wird. Rosarote Lippen, schwarze lange Wimpern. Die dunklen Ringe unter den Augen verbergen. Vom vielen Weinen aufgequollene Tränensäcke verstecken. Den Schmerz einsam hinunterschlucken. Einsame Kämpfe. Der Sonne und ihrem Strahlen nachzueifern, um auch so hell zu leuchten, sodass man die anderen Sterne durch seine Schönheit verschwinden ließ. Und alle Augen nur noch auf dich gerichtet werden. Das war einst Schönheit für sie. Oder was sie lernte, darunter zu verstehen. Ein endloser Wettkampf ohne Sieger.

Aber nun wusste sie es besser. Schönheit ist niemals erloschene Hoffnung, Schmerz oder gar Hass. Schönheit ist Liebe. Sonnenstrahlen, die die Erde küssen, um diese zu erhellen. Die Tränen des Himmels, die nur geweint werden, um den Blumen Wasser zu schenken. Bäume, die uns das Geschenk des Lebens machen ohne Wertschätzung oder Verehrung dafür zu verlangen. Die Natur, die im Frühling wieder erwacht und uns Farbe nach Eintönigkeit bringt. Das Lachen eines Kindes, das jeden ansteckt. Sterne, die uns in der völligen Dunkelheit nicht alleine lassen und uns ein letztes Licht spenden. Die bunte Pracht der Blüten auf einer Wiese, welche nicht gegeneinander konkurrieren, sondern die Anmut und das Charisma der anderen
nutzen, um im Gesamten noch heller zu scheinen. Schönheit ist in all ́ dem, worin Liebe entspringt. Ein Ort, an dem niemand alleine ist. Ein Miteinander.

Der lederne breite Sessel neben ihr füllte sich. Eine Hand legte sich schützend auf ihren Schoß. Ein Leuchten, heller als die Sonne, erstrahlte in diesem kleinen Raum vor dem Fenster. Sie blickte nach rechts und sah sein erleichtertes stolzes Lächeln.

Erst mit ihm lernte sie, diese Schönheit in sich und dieser Welt zu finden. Er erklärte ihr, dass sie wunderschön ist. Dass sie dankbar für ihre Beine sein soll, da sie mit ihnen dieses einzige Leben durchwandern konnte. Er liebte ihre giftig grünen Augen, weil sie alles in ihmmsahen und akzeptieren und lieben lernten. Er liebte ihren streifigen Bauch, da dieser ihre Kinder für neun Monate schützte und ernährte. Er liebte ihre knochigen starren Finger, da sie seine Hände mit Wärme und Liebe für immer festhielten. Er liebte ihr faltiges Gesicht, da er dabei sein durfte, als sich die Lachfältchen in ihr Gesicht einbrannten. Er liebte ihr Lachen, wenn er der Grund dafür sein durfte. Er liebte sie wahrhaftig dafür, was sie tatsächlich war und nicht was sie versuchte vorzugeben. Dies war zunächst schwer zu glauben, da ihre Vorstellung so grundlegend anders war. Aber sie lernte es zu verstehen.

Wonach sie strebte war niemals Schönheit gewesen, es verschloss ihr die Augen vor dem, was wirklich schön ist. Sie strebte der Sonne nach, aber er brachte ihr bei, dass die Sonne nichts anderes war als ein Stern. Der Stern, der auf unserem Planeten das Leben ermöglicht und wir ihn aus Dankbarkeit Sonne getauft haben. Aber das unterschied ihn als einziges von den anderen. Und andere Planeten hatten ihre eigenen Sonnen aus der Vielzahl an Sternen ausgewählt. Die anderen Sterne schlossen sich zusammen, um gemeinsam ein bewundernswertes Bild am Himmel zu malen, das wir jedes Mal, wenn wir an den Himmel hinauf sehen, erblicken. Würde nur ein einzelner Stern fehlen, würde der Himmel an Glanz verlieren. Deshalb war Schönheit kein Wettkampf. Wir sind alle Sterne am Himmelszelt, die ihren Platz suchen müssen, um perfekt hinein zu passen und ihr Leuchten am besten präsentieren zu können. Dabei müssen wir den Neid vergessen, den Platz eines anderen einnehmen zu wollen, denn dann geht das Bild kaputt. Sie war ein Stern, aber seine Sonne. Sie begann sich durch seine Liebe selbst zu lieben. Sie begann durch diese Liebe, die Schönheit wieder zu lieben, die sie begonnen hatte so zu hassen. Denn sie strebte nach Zielen, die sie nicht erreichen konnte und vergaß dabei, was sie schon längst war. Auf ihre eigene Weise schön, was niemand jemals imitieren könnte. Er war der Beginn ihrer Schönheit. Ihre Liebe. Und er wurde zu ihrem Leben. Und sie wurde das Seine. Nicht mehr einsam, bestritt sie den Druck der Gesellschaft meisterhaft. Denn nun hatte sie ihren Platz gefunden. Und mit ihm strahlte sie am Himmel, so hell wie kein anderer Stern.

Die Sterne glitzerten zu ihnen herab und glänzen auf die Schönheit dieser Liebe. Die kalte Luft lässt sie nicht mehr frösteln. Ein warmes Gefühl umschließt ihr Herz, seit sie die Welt mit seinen Augen sieht.

Stellt sie sich jetzt die Frage: `Was ist schön? ́ So lautet ihre Antwort: `Alles, was ich mit Liebe betrachte. ́

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