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Einige Lebensdaten
  • geboren 1.7.1646 in Leipzig, gestorben 14.11.1716 in Hannover
  • 1672 Rat beim Mainzer Revisionsgericht, Aufenthalt in Paris
  • 1674 Erfindung der Staffelwalze für mechanische Rechenmaschinen
  • 1676 Bibliothekar und Hofrat des Herzogs Johann Friedrich von Hannover
  • 1713 vom Kaiser zum Freiherrn und Reichshofrat ernannt

Leibniz ist das größte deutsche Universalgenie, bahnbrechend in Mathematik (Differentialrechnung, praktisch zeitgleich mit Isaac Newton), Physik (Gesetz von der Erhaltung der Kraft), Logik (Logikkalkül), Psychologie (Begriff der unbewußten Vorstellungen), Sprachwissenschaft (Ursprache), Erdgeschichte u.a. Er unternahm zahlreiche Reisen und hatte Beziehungen zu anderen Höfen (Wien, Berlin, Petersburg).

Durch seine vielfältigen Interessen und Tätigkeiten konnte Leibniz nicht alle seine Ideen ausformulieren und für die Nachwelt festhalten. 1676 erfand Leibniz die Grundelemente des „Calculus“, einer Symbolschrift der Infinitessimalrechnung. Auf einem Notizzettel tauchten die heute noch verwendeten Symbole d (für das Differenzieren) und das Integralzeichen auf. Er bemühte sich um zweckmäßige mathematische Bezeichnungen:

„Man muß dafür sorgen, daß die Zeichen für Entdeckungen bequem seien. Dies läßt sich in größtem Maße dann erreichen, wenn die Zeichen mit wenigen Elementen die innerste Natur der Dinge ausdrücken und gewissermaßen nachzeichnen, wodurch die Arbeit des Denkens auf erstaunliche Weise verringert wird.“

Auswirkungen seiner Forschungen für das Gymnasium
Die Weiterentwicklung der mechanischen Rechenmaschine von G. W. Leibniz, der Notebook, PC , (+ Software auch auf CDROM, DVD ) kann additiv für SchülerInnen und FachlehrerInnen bei Programmentwicklungen, Messungen und Steuerung, Projektentwicklung, Präsentationsaufgaben eingesetzt werden. In Einzelarbeit, in Gruppenarbeit im Computerschulnetz oder bei der Demonstration eines Referats, einer Seminararbeit, bei Konferenzen, Elternabenden, BOGY oder bei der Intel – Fortbildung kommen diese modernen Werkzeuge (= engl, tools ) zum Einsatz. In Zukunft werden mehrere Beamer (Datenprojektionsgeräte) für den mobilen Einsatz im Klassenzimmer angeschafft werden. Internetanschlüsse in den Klassenzimmern würden jeder Klasse das „Tor zur Welt“ öffnen können.
Ein Essay über Gottfried Wilhelm Leibniz

Das Essay wurde von Herrn Ronellenfitsch mit Hilfe von Teilnehmer aus der „Mathe-AG“ 1996 für die Zeitschrift Monoid verfasst. Das vollständige Dokument können sie als PDF-Datei herunterladen. Nachfolgend finden sie einen Auszug aus dem 19-seitigen Essay.

GOTTFRIED WILHELM LEIBNIZ – SEIN LEBEN UND WERK

Gottfried Wilhelm Leibniz wurde am 1. Juli (bzw. am 21. Juni alter Zeitrechnung) 1646 in Leipzig als Sohn eines Juraprofessors und einer Professorentochter geboren. Seine Eltern starben sehr früh, 652 der Vater, 1664 die Mutter. In der Bibliothek seiner Eltern fand Leibniz genügend Stoff für seinen Wissenshunger, und schon als Achtjähriger brachte er sich ohne fremde Anleitung, nur mit Hilfe von illustrierten Büchern, die lateinische Sprache bei, die er wenige Jahre später, ebenso wie die griechische, hervorragend beherrschte.

Mit 15 Jahren besuchte Leibniz die Universität seiner Heimatstadt, veröffentlichte mit 16 seine erste philosophische Schrift, legte mit 17 die erste philosophische Prüfung ab und wurde mit 18 Magister. Neben seinem Studium der Philosophie und Rechtswissenschaft in Leipzig (zwischendurch auch in Jena und in Altdorf bei Nürnberg) beschäftigte sich Leibniz intensiv mit Mathematik, Logik und Physik (z.B. Diskussion mit Otto v. Guericke), aber auch zeitlebens mit der Alchemie. In Leipzig wegen seines geringen Alters (er war kaum 20 Jahre alt) nicht zum Doktorat zugelassen, promovierte Leibniz 1666 in Altdorf zum Doktor beider Rechte, verzichtete aber danach auf eine akademische Karriere, da ihm die Entfaltung und praktische Anwendung seiner Fähigkeiten in den verkrusteten Strukturen einer Universität kaum möglich schienen.

In Nürnberg machte Leibniz 1667 die Bekanntschaft mit dem ehemals kurmainzischen Minister Johann Christian Freiherr v. Boineburg, der ihm eine Anstellung als Hofrat, d.h. als diplomatischer Berater bei dem Mainzer Kurfürsten Johann Philipp von Schönborn vermittelte. In ursprünglich politischer Mission 1672 nach Paris gesandt (er sollte versuchen, Ludwig XIV. zum Angriff auf Ägypten zu bewegen, um Frankreichs Machtinteressen von Deutschland abzulenken), nutzte Leibniz seinen vierjährigen Aufenthalt in der europäischen Metropole, in der er mit führenden Gelehrten seiner Zeit zusammentraf, um sich vor allem auf mathematischem Gebiet weiterzubilden. Sein Lehrer und besonderer Förderer war der in Paris lebende holländische Physiker, Astronom und Mathematiker Christiaan Huygens.

Anläßlich einer Reise nach London im Jahre 1673 wurde Leibniz, der bereits 1669 auswärtiges Mitglied der Pariser „Académie des Sciences“ geworden war, auf Empfehlung des Generalsekretärs  H. Oldenburg – trotz Bedenken von Mathematikern wie Pell oder Newton – als Mitglied in die Royal Society, d.h. in die Londoner Akademie aufgenommen. In London machte Leibniz auch die Bekanntschaft mit dem Chemiker R. Boyle und dem Physiker R. Hooke. Erst nach seiner Rückkehr nach Paris machte sich Leibniz daran, durch ein intensives autodidaktisches Studium der ihm von Huygens empfohlenen Werke von Cavalieri, Descartes, Pascal, Wallis, Gregory und anderen sein mathematisches Wissen zu vervollkommnen. Den Höhepunkt dieser Bemühungen bildete seine Erfindung der Infinitesimalrechnung im Oktober 1675, die er aber aus Zeitgründen nicht sofort ausbauen und publizieren konnte.

Auf der Rückkehr von einer weiteren Londonreise im Jahre 1676 besuchte Leibniz A. van Leeuwenhoek und Spinoza in den Niederlanden. Nach dem Tod seines Gönners v. Boineburg und des Mainzer Kurfürsten v. Schönborn mußte Leibniz Paris, wo er sich vergeblich um eine Professur bemühte, aus finanzieller Not verlassen und trat als Hofrat und Bibliothekar 1676 in den Dienst des hannoverschen Herzogs Johann Friedrich, der leider für mathematische Beschäftigungen wenig Verständnis hatte. Erst als 1682 in Leipzig eine wissenschaftliche Zeitschrift,  die  „Acta  eruditorum“,   gegründet  wurde,  hatte  Leibniz  als  ständiger Mitarbeiter Gelegenheit, seine mathematischen   und   naturwissenschaftlichen   Forschungsergebnisse zu veröffentlichen, was er gerne und regelmäßig tat. Weniger gern und nur der Pflicht halber erfüllte Leibniz seit 1685 den Auftrag des Herzogs von Hannover, die Geschichte des Herrschergeschlechtes der Welfen zu schreiben, doch tat er auch dies durch Zurückgehen auf die Quellen (1707-11 Herausgabe der vielbeachteten Quellensammlung „Scriptores rerum Brunsvicensium“) mit einer solchen Gründlichkeit, daß man ihn als Stammvater der wissenschaftlichen Geschichtsschreibung (Historiographie) bezeichnen kann. Mehrere Reisen, u.a. 1687-90 über Wien nach Italien, führten Leibniz im Zusammenhang mit diesem Auftrag durch Europa. So kam er auch nach Rom, wo ihm die Betreuung der berühmten Vatikanischen Bibliotheken angeboten wurde, was Leibniz jedoch als Nichtkatholik ablehnte, da er zudem an der wissenschaftlichen Liberalität der katholischen Kirche zweifelte. 1691 übernahm Leibniz dafür die Leitung der Wolfenbütteler Bibliothek.

Freundschaftlich unterstützt von der hannoverschen Prinzessin Sophie Charlotte, der späteren Königin von Preußen, arbeitete Leibniz am Ausbau und an der Systematisierung seiner neuartigen philosophischen Vorstellungen, widmete aber auch einen Großteil seiner Zeit und Kraft der Organisation der Wissenschaften. So wurde auf sein Betreiben hin und durch Vermittlung von Sophie Charlotte im Jahre 1700 die Berliner „Societät der Wissenschaften“ gegründet, deren Präsident Leibniz wurde. Zur Errichtung weiterer geplanter Akademien in Dresden und Wien kam es nicht mehr, nicht zuletzt durch den Widerstand der Jesuiten. Die Jahre 1712-14 verbrachte Leibniz in Wien, wo er 1713 zum Reichshofrat ernannt wurde. 1714 kehrte er wieder nach Hannover zurück, wo er seinem letzten Souverän Georg Ludwig von Hannover im gleichen Jahr die englische Königskrone verschaffte.

Leibniz beteiligte sich an Verhandlungen zur Versöhnung und Wiedervereinigung der reformierten christlichen Kirchen Deutschlands mit der katholischen Kirche, suchte aber auch im Bereich der natürlichen Theologie nach Übereinstimmungen zwischen der chinesischen und der europäischen Philosophie. Seit 1711 war Leibniz wissenschaftlicher Berater des russischen Zaren Peter I., der ihn zum Russischen Geheimen Justizrat ernannte. Leibniz plante die Errichtung einer Akademie in St. Petersburg, erlebte aber nicht mehr die Ausführung dieses Vorhabens im Jahre 1724. Leibniz starb in Hannover am 14. November 1716, in seinem 70. Lebensjahr, zuletzt vereinsamt und von einer
langjährigen Krankheit gezeichnet. An seinem Begräbnis am 14. Dezember 1716 nahm niemand aus den Reihen der Hofgesellschaft und der Beamtenschaft teil.

Angesichts seiner intensiven praktischen Tätigkeit als Staatsmann hatte Leibniz kaum die Zeit, größere wissenschaftliche Werke zu schreiben. Vor allem seine aufwendigen Forschungen zur Welfengeschichte nahmen ihn jahrelang in Anspruch. Nur auf dem Gebiet der Philosophie existieren drei in sich geschlossene Werke: Neue Versuche über den menschlichen Verstand (1703), die Theodizee (1710) und die Monadologie (1714). Dennoch hat Leibniz ein umfangreiches Gesamtwerk in Form von Zeitschriftenaufsätzen und Briefen an Zeitgenossen (es waren mehr als 1100 Briefpartner aus 16 Ländern) hinterlassen, denen er seine Gedanken mitteilte. Seit 1923 bemüht sich die Berliner Akademie der Wissenschaften in Zusammenarbeit mit dem Leibniz-Archiv der Niedersächsischen Landesbibliothek Hannover und der Leibniz-Forschungsstelle der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster um eine vollständige Erfassung und Edition sämtlicher Schriften und Briefe von Leibniz. Diese Gesamtausgabe, die jedoch noch lange nicht vollständig vorliegt, soll nach ihrer Fertigstellung etwa 80 Bände umfassen. R. Finster und G. v.d.Heuvel meinen dazu in ihrer Leibniz-Biographie: „Bis der gesamte Nachlaß erschlossen ist,
werden noch, das kann man mit Sicherheit sagen, etliche Jahrzehnte vergehen. Aber auch dann wird es kaum einem einzelnen möglich sein, das zu erfassen und zu durchdringen, was Leibniz´ Werk verkörpert: die Universalität des Wissens seiner Zeit.“

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Leibniz-Essay
989.87 KB 14. September 2019
    Rechenmaschine von Leibniz (1673)
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