Warum mobben Menschen?

Sethlina Messer, Jahrgangsstufe 1
15. April 2021

Mobbing, Hassrede, Ausgrenzung – spätestens ab der weiterführenden Schule war oder ist das ein Thema für alle Schülerinnen und Schüler gewesen, mit dem man sich gezwungenermaßen auseinandersetzen muss. Doch was genau meint der Begriff Mobbing eigentlich, wer sind wirklich die Betroffenen und wodurch entsteht Mobbing überhaupt?

Der Begriff Mobbing lässt sich erst einmal schwer definieren, der dazu gefundene Wikipedia-Artikel schlägt vor, ihn als “soziologische[n] Begriff [zu beschreiben, als] psychische Gewalt, die durch das wiederholte und regelmäßige, vorwiegend seelische Schikanieren, Quälen und Verletzen eines einzelnen Menschen durch eine beliebige Art von Gruppe oder Einzelperson definiert ist.“

Bei Jugendlichen scheint von außen betrachtet besonders die Grenzziehung schwierig zu sein, wann es sich nur um kleinere Kabbeleien zwischen Heranwachsenden und ab wann es sich um Mobbing handelt, da hinter diesem je ein individuelles Empfinden steckt, das nicht durch bestimmte Parameter gemessen, geschweige denn festgelegt werden kann.

Jeder empfindet den Härtegrad anders: Für die einen sind regelmäßige Beleidigungen von Mitschülern Mobbing, für andere beginnt Mobbing erst bei körperlichem Verletzen. Gerade auch die Gründe, warum man von seinem Umfeld gemobbt wird, scheinen nahezu grenzenlos zu sein. Besonders während man älter wird, ist man häufig vor die Wahl gestellt, jetzt mitzumachen, auf Partys zu gehen, übermäßig Alkohol und andere Drogen zu konsumieren; andernfalls wird man direkt als „Lappen“, „Spießer“ und „Loser“ abgetan. Meiner Meinung nach hängt Mobbing ganz eng mit der Peergruppenbildung im Alter von ca. 12 bis 18 Jahren zusammen. Niemand weiß so wirklich, wo er dazugehört oder überhaupt zugehören will, doch jeder hat das Gefühl, dass gerade die Wahl des Freundeskreises entscheidend für den sozialen Status ist. Denkt man an die “klassischen” Mobbingopfer, hat man meistens einen Brillenträger im Kopf, der nur Einsen schreibt, vorne in der ersten Reihe sitzt und mit jedem Lehrer super auskommt; oder die eine Merkwürdige, die nie etwas sagt, Schlabberklamotten trägt und ein ungepflegtes Aussehen hat, meistens übergewichtig. Löst man seinen Blick jedoch von dieser Stigmatisierung und betrachtet die anderen Gruppen, merkt man, dass man eigentlich auch gegen die “Coolen” Vorurteile hat und voreingenommen auf diese zugeht. Der Klassenclown mag zum allgemeinen Entertainment maßgeblich beitragen, die Sportler in der letzten Reihe feiern die krassesten Partys und bekommen die meisten Mädels ab, jeder will mit den Stylergirls und -boys befreundet sein, um nach außen hin cool zu wirken. Aber werden diese Menschen nicht gleichzeitig auch in eine Rolle gesteckt, ordnet man ihnen nicht grundlegend auch sehr viele negative Attribute zu? Dem Klassenclown würde man nie eine verantwortungsvolle Aufgabe übertragen, der Sportler schreibt grundsätzlich schlechte Noten und scheint generell nicht besonders schlau zu sein, die Stylerguys sind oberflächlich und ungebildet. Je länger wir uns in einem so großen sozialen Umfeld wie der Schule befinden, desto mehr festigen sich unsere Rolleneinteilungen und damit verknüpfte Erwartungen, die sich großteilig aus dem ergeben, was wir von den Leuten in der Schule sehen und über sie hören. Darin liegt der gravierendste Fehler.

Besonders in frühen Jahren der Pubertät haben wir das Gefühl, uns für eine Gruppe entscheiden zu müssen. Aus Angst, den Anschluss an diese Gruppen zu verlieren, ziehen viele mit, wenn eine oder einer anfängt, abfällige Bemerkungen über andere zu machen – sei es innerhalb oder außerhalb der Gruppe. Meist tätigen eben diese Menschen, die wir so bewundern oder denen wir zugehörig sein wollen, selbst solche Aussagen aus Angst, aus Selbstunsicherheit oder weil es private Probleme gibt, die durch Frustverlagerung, durch das Schikanieren anderer, verdrängt werden sollen.

Meist steckt also hinter jedem Mobber ein weiteres Opfer, sei es von Mobbing selbst oder anderweitigen Problematiken betroffen, etwa von Stress zuhause oder von Selbstzweifeln durch Leistungsdruck. Es geht häufig darum, sein Bild prägnant nach außen zu vertreten, zu warnen, sich selbst zu schützen, nach dem Motto: “Leg dich lieber nicht mit mir an, sonst geschieht dir das Gleiche.“ Und an diesem Punkt liegt meiner Meinung nach das Hauptproblem unserer Gesellschaft: Wir fragen uns, warum denn die oder der Arme gemobbt wird, anstatt zu fragen, wer und warum so jemand auf diese Weise behandelt wird. Anstatt nur auf die Opfer zuzugehen, ihnen zu sagen, dass sie natürlich nichts dafür könnten und das Problem auch bei den anderen liege, sollte die Sache doch erst recht auch an der Wurzel gepackt, die Täter mehr mit einbezogen und auf eigene Schwierigkeiten angesprochen werden, anstatt dem Betroffenen noch mehr das Gefühl zu geben, tatsächlich ein Opfer zu sein.

Geholfen wäre mit Sicherheit schon vielen, wenn sich einzelne beim nächsten gehässigen Kommentar über einen Mitschüler oder eine Mitschülerin zu Wort melden, kontern oder zumindest nicht mitlachen würden. Doch genau dieser Schritt erfordert Mut – sehr viel Mut. Nimmt man jemanden in Schutz, riskiert man natürlich auch seine eigene soziale Stellung; man könnte selbst den nächsten Spruch kassieren. Mut und Selbstbewusstsein sind hier gefragt, und das ist nichts, was sich irgendjemand über Nacht oder für einen kurzen Zeitpunkt aneignet. Doch schlussendlich sollte das sowie das Wegkommen vom Denken in klassischen Rollenbildern der Schlüssel dazu sein, Mobbing endlich Einhalt zu gebieten und eine empathischere Gesellschaft zu schaffen. Daher sollte man sowohl ein Auge auf die haben, die potenziell eher von gewissen Gruppen ausgegrenzt werden könnten – genauso aber auch auf die, die ihren Unmut so an anderen auslassen, und den Grund dafür herausfinden. Wir werden nie alle Probleme vermeiden, geschweige denn lösen können. Genauso wenig kennen wir aber auch von jedem die persönlichen Hintergründe und sollten daher immer vorsichtig sein mit voreiligen Schlüssen und Verurteilungen anderen gegenüber; sowohl in Bezug auf Opfer wie auch hinsichtlich der Täter.
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