Die Illusion hinter einem Großteil der alltäglichen Werbung

Simon Kirschenmann, Klasse 11
27. April 2021

Man stelle sich einen eher rundlichen Menschen vor, der sich das Ziel gesetzt hat, durch Sport einen schöneren Körper zu erlangen. Jogger, Fußballer, Tennisspieler – das alles sagte ihm nicht wirklich zu. Aber die elegante Figur der Schwimmer gefiel ihm, und so beschloss er, mehrmals wöchentlich das örtliche Schwimmbad aufzusuchen. Allerdings ließen die Fortschritte lange auf sich warten, und plötzlich fiel es ihm wie Schuppen von den Augen: Die Schwimmer haben diese eleganten Körper nicht, weil sie viel trainieren. Sie sind nur deshalb gute Schwimmer, weil sie einen dafür gut geeigneten Körper haben.

Immer dann, wenn man das Auswahlkriterium und das Ergebnis – oder auch die Ursache und die Wirkung – miteinander verwechselt, sitzt man diesem Denkfehler, der swimmer’s body illusion, auf. Ohne diesen Denkfehler würde die Hälfte der Werbung, die jeder von uns tagtäglich zu Gesicht bekommt, nicht funktionieren.

Häufig werben junge, weibliche Models für Schminke und sonstige Schönheitsprodukte. So kommt man als Verbraucher auf die Idee, dass solche Produkte schöner machen. In der Realität ist es jedoch genau andersherum: Die Models sind rein zufällig bereits als schöne Menschen geboren, und nur deshalb kommen sie überhaupt erst für diese Art von Werbung infrage.

Junge Männer fallen wohl eher auf Werbung für schöne und viele Muskeln herein. Doch das Model mit Waschbrettbauch in der Fitnessstudiowerbung ist nicht etwa durch das tolle Angebot und Training zu seinem Aussehen gekommen. Es ist bereits als eher sportlicher, muskulöser Mensch geboren, was es überhaupt erst für die Krafttrainingswerbung qualifiziert.

Ähnlich verhält es sich mit den oftmals so bezeichneten Eliteschulen. Glaubt man deren Reputation, so ist der Unterricht dort um einiges besser, denn die Schüler und Absolventen glänzen mit besten Zensuren. Doch ist dem wirklich so? Die Antwort ist einfach: Wir wissen es nicht. Denn um es zu wissen, müssten wir besagte Schulen besuchen und uns selbst ein Bild machen. Möglicherweise sind alle Schüler einer Eliteschule sorgsam ausgewählte, hochintelligente Menschen, und deshalb erbringen sie alle gute Leistungen – und nicht, weil der Unterricht die Lernenden intelligenter macht. Er könnte auch miserabel sein.

Fragt man einen glücklichen Menschen nach dessen Erfolgsrezept, bekommt man oft so etwas zu hören: „Man muss das Glas halt halb voll statt halb leer sehen.“ Allerdings ist dieser Tipp – Sie ahnen es – nicht etwa der Schlüssel zum Glück, sondern ein Freifahrtschein in Richtung Holzweg. Optimistische Menschen sind bereits optimistisch geboren und sehen deshalb in Allem etwas Positives.

Fatal wird es, wenn glückliche Menschen ebendies nicht realisieren und vermeintliche Tipps in Selbsthilfebüchern an andere, nicht so glückliche Menschen weitergeben. Bei einem Großteil der Leser funktionieren die „Tipps“ natürlich nicht. Doch das bleibt weitgehend unbekannt, denn Unglückspilze schreiben für gewöhnlich keine Ratgeber.

Aus diesem Grund sollte man genau hinsehen, wenn etwas Wünschenswertes – Schönheit, Muskeln, ein höheres Einkommen oder auch Glück – beworben wird. Oftmals ist die swimmer’s body illusion mit im Spiel.

Referenz: Dobelli, R. (2011): Die Kunst des klaren Denkens.

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