Praktisches Arbeiten mit Sicherheitsabstand – NWT in der Pandemie

Unterrichten unter Coronabedingungen, das spricht sich so leicht. Aber was tun in einem Fach wie NWT, das von Praktika und Schülerexperimenten lebt? Gerade im ersten Lernjahr (Klasse 9) liegt ein Schwerpunkt auf der Holzverarbeitung mittels eines Kranbauprojekts. Mit einem weinenden Auge geht der Blick von Schülern und Lehrern Richtung neu eingerichteten Werkraum. Denn dieser muss unberührt bleiben, da das gemeinsame Arbeiten und Experimentieren mit Schülergruppen darin während Corona vorerst untersagt ist. Auch sonstige Experimente sind zu vermeiden, bei dem gemeinsame Materialien genutzt werden müssen.

So bleibt ganz viel Zeit für den Theorieunterricht. Doch dieser ist auch irgendwann abgehandelt und was ist ein Praktiker ohne Praxis? Lediglich von theoretischen Inhalten wie Kräfteaddition und Zerlegung, Hebelgesetzen und vieles mehr werden die NWTler auch nicht glücklich. Man möchte die Naturgesetze selbst erleben und erproben. Aus diesem Grund war die Frage: was kann man gefahrlos im Klassenzimmer durchführen, sodass jeder Schüler nur sein eigenes Material verwendet?

Somit wurde kurzer Hand der Brückenbau als Zusatzeinheit eingeschoben. Die Einheit begann ohne Vorwissen mit einem kleinen Experimentierwettbewerb „Egg-Race Brückenbau“, bei dem die Schüler jeweils eine geringe Anzahl an Papier, Schnur, Strohhalmen und Klebefilm bekamen. Die Brücke sollte so gebaut werden, dass ein Experimentierauto von ca. 500g einen Graben zwischen 2 Tischen überwinden konnte. In der ersten Runde hielten wenige Brücken den Bedingungen stand und knickt unter der Last einfach zusammen. Also musste erst wieder Theorie her. Schon wieder Theorie…seufzt…

Als die Schüler in die zweite Präsenzphase in die Schule zurückkehrten, wurden zunächst verschiedene Belastungstest mit Papier durchgeführt (Drucktest, Biegetest,…), wobei unterschiedliche Faltformen ausprobiert werden sollten. Am nächsten Tag startete der entscheidende Bauwettbewerb. Die Bedingungen wurden noch einmal verschärft, doch die Aufgabe blieb die Gleiche. Jeder Schüler bekam genau 5 Blatt Papier, einen Klebefilmstreifen von rund 10 cm und ca. 35 min Zeit. Zunächst machten sich ratlose Blicke und Verzweiflung breit. „Wie soll ich das befestigen, ich habe doch nichts/kaum etwas zum Kleben.“ „Das geht doch gar nicht.“ … Nach dem Hinweis, dass man Häuser auch ganz ohne Nägel und Mörtel bauen kann und dass eine gute Falttechnik manchmal mehr wert ist, als irgendwo Kleber hinzuschmieren, brachten die Ideen langsam ins Rollen.

Am Ende des Wettbewerbs bestanden deutlich mehr Brücken die Belastungsprobe. Das Bild zeigt einen kleinen Ausschnitt aus einem Praxisunterricht unter verschärften Bedingungen. Hier war Corona das kleinere Übel.

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