LGÖ-Schülerin erreicht das Bundesfinale im Vorlesewettbewerb

Eine ganz besondere und auch außergewöhnliche Leistung erzielte unsere Schülerin Meliyah Pedde aus der Klasse 7g, die es nach mehreren gewonnenen Wettbewerbsrunden in das Bundesfinale des Vorlesewettbewerbes geschafft hat. Sie vertritt damit als beste Vorleserin unseres Bundeslandes Baden-Württemberg natürlich auch unsere Schule und wir wünschen ihr hierfür alles Gute und viel Erfolg. Meliyah beschreibt nun selbst im nachfolgenden Bericht den spannenden Weg vom Klassen- und Schulwettbewerb bis hin zum bevorstehenden Bundesfinale.

Wer liest – gewinnt!

Klassenentscheid

Anfang November letzten Jahres kam meine damalige Deutschlehrerin Frau Dinner in das Klassenzimmer der 6e und erzählte uns von dem Vorlesewettbewerb. Dieser ist eine jährliche Veranstaltung des Börsenvereins des deutschen Buchhandels und auch einer der größten bundesweiten Wettbewerbe für Schülerinnen und Schüler. Jedes Jahr nehmen insgesamt 700.000 Schüler aller 6.Klassen aus etwa 7500 Schulen daran teil. Auch wir sollten uns ein Buch aussuchen, unsere Lieblingsstelle daraus vorlesen und anschließend den besten Vorleser der Klasse küren. Zugegeben, dies hatte für mich nichts weiter bedeutet, als dass ich am 25.11.19 am Schulentscheid teilnehmen durfte und dass dabei zwei Stunden Mathe ausfielen. Zur damaligen Zeit konnte ich ja noch nicht ahnen, welche wunderbaren Folgen dieser kleine Sieg noch haben würde.

Schulentscheid

Zum Schulentscheid trafen sich die jeweiligen Sieger der 6. Klassen des LGÖ in der Stadtbücherei Östringen. Nachdem wir herzlich von Herrn Reinbold begrüßt und kurz über den Ablauf informiert wurden, bestand unsere Aufgabe darin, erneut eine Textpassage aus einem von uns ausgewählten Buch vorzulesen. Erschwerend kam jedoch hinzu, dass wir auch eine Textstelle aus einem uns unbekannten Buch vorlesen sollten. Nach einer kurzen Beratung der Jury stand ich schließlich als Schulsiegerin fest. „Cool“ dachte ich „mal sehen wie es weitergeht.“

Kreisentscheid

Am 20.02.20 fand dann im Landesmedienzentrum Baden-Württemberg in Karlsruhe die nächste Phase des Wettbewerbs statt. Als eine von 15 weiteren Gewinner/innen des Schulentscheids stellten wir nacheinander unsere Bücher und die eingeübten Textstellen der Jury vor. Erneut folgte dann ein unbekannter Text, bevor sich die Jury zurückzog. Dann stieg auch bei mir zum ersten Mal wirklich die Spannung und mir wurde bewusst, dass ich diesen Wettbewerb wirklich gewinnen wollte. Die Jury kam zurück, verkündete meinen Namen und meine Mutter stupste mich vor … denn tatsächlich hatte ich schon wieder gewonnen. Bald danach folgte die Einladung zum Bezirksentscheid am 21.04.20 in Mannheim.

Tja…und dann kam Corona und niemand wusste, wie und ob es überhaupt weitergeht.

Bezirksentscheid

Nach langem Warten war es endlich soweit. Zu Beginn der Sommerferien habe ich durch eine E-Mail erfahren, dass der Vorlesewettbewerb in eine neue Runde startet, nur dieses Mal in digitaler Form. Das bedeutete dann für mich: Drei Wochen intensive Vorbereitung – drei Wochen, in denen ich immer nervöser wurde. Denn bis zum 20.08.20, also ein halbes Jahr nach dem Kreisentscheid, musste ein selbst gedrehtes Video, in dem ich das Buch „Damals war es Friedrich“ von Hans Peter Richter, vorstellen und daraus lesen wollte, an das Vorlesewettbewerbsteam gesendet werden. Die freie Textstelle musste dieses Mal leider wegfallen. Und nun? Erneut hieß es wieder: Warten, aber diesmal nicht 15 Minuten sondern drei Wochen! Erst am 16.09.20 habe ich schließlich per Email erfahren, dass ich schon wieder gewonnen hatte. Jetzt wurde die Sache langsam ernst…

Landesentscheid

Und plötzlich ging dann alles ganz schnell. Bereits bis zum 28.09.20 sollte ich den nächsten Videobeitrag einsenden. Ich hatte mich nun für das Buch „Die Wolke“ von Gudrun Pausenwang entschieden. Neben dem täglichen Schulstress musste ich hieraus eine interessante Stelle aussuchen, mich in diese hineinversetzen, mein Vorlesen perfektionieren und anschließend in einem Video dem Vorlesewettbewerbsteam präsentieren. Spätestens zu diesem Zeitpunkt galten meine Gedanken nur noch dem Wettbewerb. Nach dem Einsendeschluss nahm ich täglich das Handy meiner Mutter unter Beschlag und durchsuchte alle E-Mails nach der erlösenden Nachricht, doch es kam nichts! Als ich am Wenigsten damit rechnete, hallte ein Schrei durch unser ganzes Haus. Zuerst dachte, ich meine Mutter hätte sich irgendwie verletzt und bräuchte Hilfe. Ich rannte herunter, doch sie kam mir schon entgegen und umarmte mich, so dass wir beide fast von der Treppe stürzten. Da wusste ich schon, dass ich gewonnen hatte – aber trotzdem hatte ich es noch nicht realisiert. Die beste Vorleserin aus ganz Baden-Württemberg?! Und das alles hatte vor fast einem Jahr mit einem kleinen Sieg in der Klasse angefangen!

Im November steht nun der Bundesentscheid an. Hier werde ich ein letztes Mal gegen die 15 anderen Landessieger antreten. Eigentlich hätte ich hierfür nach Berlin fahren dürfen, aber das wurde wegen Corona in diesem Jahr abgesagt. Daher wird auch diese letzte Runde nur per Video stattfinden. Entweder muss ich dieses wieder selbst aufnehmen oder es kommt ein Kamerateam vom Fernsehen in unsere Schule, welche dort einen kurzen Beitrag dreht und auch meine Textstelle aufzeichnet, die ich im Finale vorlesen muss. Welche das sein wird bzw. aus welchem Buch diese stammen wird, erfahre ich aber erst kurz davor.

Hoffentlich steht das Glück auch dieses Mal wieder auf meiner Seite. Drückt mir die Daumen!
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