LGÖ Schülerinnen und Schüler präsentieren das Äpfeleprojekt in unserer Partnerstadt

Zum 30. Jubiläum der Partnerschaft zwischen der französischen Kleinstadt Thiviers und Östringen besuchte eine Delegation der Stadt Östringen die Partnergemeinde. Vertreter des Gemeinderats wurden begleitet von Mitgliedern des Östringer Fotoclubs, welcher eine Ausstellung in Thiviers präsentierte, sowie von drei SchülerInnen des LGÖ, betreut von Frau Baumgartner. Anlass des Schülerbesuchs war allerdings kein regulärer Austausch, sondern die Gelegenheit, das Projekt Äpfele des LGÖ als Beispiel für ökologische Landwirtschaft in und um Östringen im Rahmen des an diesem Wochenende stattfindenden „Comice Agricole“  vorzustellen. Wir Schüler hatten hierdurch Gelegenheit, bei diesem regionalen Volksfest rund um das Thema Landwirtschaft Land und Leute näher kennenzulernen.

Abfahrt war um 5 Uhr morgens vom Gelände des Reiseunternehmens Hassis, zum Glück konnte man als Passagier einfach im Bus weiterschlafen… Anstatt Unterricht hieß es also für uns, nur einen Tag nach Ende der Sommerferien, 14 Stunden im Bus sitzen. Nachdem die letzten 90 Minuten der Fahrt auf den wirklich kleinen und kurvigen Landstraßen des Périgord bestritten wurden, kamen wir entsprechend gerädert gegen halb acht abends in Thiviers an. Dort war bereits ein Empfang für den deutschen Besuch vorbereitet. Mitglieder der Partnerschaftsorganisation von Thiviers (ATECI) und engagierte Einwohner hatten ein Buffet vorbereitet, es gab eine kleine Rede und alle wurden ihren Gastgebern für die kommenden Tage vorgestellt, so auch wir drei SchülerInnen.

Am darauffolgenden Freitag stand vor allem der Besuch des 2016 eröffneten Lascaux IV auf dem Programm, definitiv bereits einer der Höhepunkte der Reise. Nach einem Mittagessen mit regionalen Spezialitäten fuhren wir mit dem Bus nach Montignac, wo sich sowohl die echte Höhle, als auch die beiden Rekonstruktionen befinden. Die circa 20000 Jahre alten Höhlenmalereien von Lascaux zählen zu den beeindruckendsten ihrer Art weltweit und stellen die wohl berühmteste der vielen prähistorischen Fundstätten im Tal der Vézère dar. Da die klimatischen Auswirkungen der Besucherströme den für Jahrtausende luftdicht konservierten Kunstwerken in rasantem Tempo zusetzten, wurde die echte Grotte bereits vor Jahrzehnten verschlossen, woraufhin ein erster Nachbau „Lascaux II“ genannt, eröffnet wurde. Das neue Museum ist ebenfalls ein Nachbau. Die mit modernen Mitteln exakt vermessene Höhle wurde mit Gips modelliert und die Kunstwerke mit historischen Maltechniken detailgetreu kopiert. Das zugehörige Museum liefert darüber hinaus viele Informationen rund um die menschliche Frühgeschichte, die Bedeutung des Vézère-Tals sowie natürlich prähistorische Kunst. Der enorme finanzielle, aber auch technische und offensichtlich auch hingebungsvolle Aufwand der nötig gewesen sein muss, um dieses Museum ins Leben zu rufen, lässt wohl die Einzigartigkeit der Höhle von Lascaux erahnen, über deren überragende  Kunstwerke und ihre Künstlern man nur staunen kann. Den Abend verbrachten wir in den Gastfamilien, mit denen sich bereits nach so kurzer Zeit dank viel entgegengebrachter Freundlichkeit eine gewisse Vertrautheit entwickelte.

Samstags ist in Thiviers Wochenmarkt. Obwohl deutlich kleiner als Östringen, hat die Stadt eine vergleichsweise große Funktion als lokales Zentrum. Frankreichs ländliche Gebiete sind oft noch wesentlich dünner besiedelt als Deutschlands, und so gibt es auch rund um Thiviers, das ungefähr 2.600 Einwohner zählt, viele wirklich winzige Dörfchen. So kommt dem Wochenmarkt in Thiviers eine große Bedeutung zu, denn das gesamte Umland kommt dorthin. Der Markt bot uns dadurch vor allem auch eine Gelegenheit mit den Besuchern ins Gespräch zu kommen, die Menschen besser kennenzulernen und dabei unsere Sprachkenntnisse anzuwenden.  Am gleichen Morgen eröffnete außerdem der Östringer Fotoclub seine zuvor angekündigte Ausstellung mit schönen und besonderen Fotos aus Östringen und Umgebung, die wir natürlich auch besichtigten. Der Nachmittag wiederrum stand für uns zur freien Verfügung, was wir nutzten, um an den lokalen „Plan d’eau“, also einen See, zu gehen. Das Wetter war nämlich die gesamte Zeit über (fast zu) heiß, für unsere Verhältnisse eine Art später Hochsommer mit Temperaturen über 30 Grad. Samstagabend fand dann das eigentliche „Willkommensfestessen“ zum Jubiläum der Städtepartnerschaft statt. Eingeleitet durch einen Empfang im Rathaus, wo unter anderem der Bürgermeister von Thiviers eine Rede an die Östringer Gäste richtete und die gute Verständigung und Freundschaft zwischen den Städten hervorhob, setzte sich das anschließende Fest in Eyzerac fort. Anscheinend sind lange, lange Festessen typisch für die Region. Das Menü nahm mehrere Stunden ein und der anschließende Abend mit Tanz dauerte bis weit in die Nacht.

Sonntags stand dann unser eigentlicher Einsatz an: Die Präsentation des Projekts „Äpfele“ auf der „Comice agricole“. Das Fest lässt sich vielleicht mit Erntedank vergleichen: Die Landwirte der Umgebung präsentieren ihre Produkte: Honig, die typische Gänseleber, Käse und mehr. Begleitet wird die Landwirtschaftsmesse durch ein Unterhaltungsprogramm mit Ferkelrennen, Ponyreiten für Kinder oder dem „Concours de labour“, einem  „Wettpflügen“ mit verschieden großen Traktoren und Pflugscharen.  Wir Schüler hatten einen kleinen Stand zwischen den übrigen Ausstellern und boten dort den Besuchern unsere Apfelschorle an. Den interessierten Zuhörern erklärten wir Näheres zum Äpfeleprojekt und die Rolle der Schüler darin. Obwohl Kohlensäure in Frankreich eher untypisch zu sein scheint, hatten wir großen Erfolg und konnten den gesamten mitgebrachten Bestand an diesem Vormittag verkaufen. Neben vielen Franzosen begegneten uns dabei  überraschenderweise gleich mehrere deutsche Auswanderer, die bereits seit mehreren Jahren im Périgord leben. Neben einigen Engländern und natürlich auch Menschen aus der ganzen restlichen Welt ziehen übrigens auch Franzosen aus der Hauptstadt aufs Land. So wohnten beispielsweise zwei von uns bei einem Ehepaar aus Paris, welches sich ein Haus in Thiviers gekauft hatte.

Während beim Comice agricole wieder den gesamten Nachmittag ein großes Festessen stattfand (anscheinend gehörte die Essenspause zum Fest, denn der gesamte Platz war ab 13 Uhr wie ausgestorben), fuhren wir mit einer unserer Gastfamilien nach Brantôme, das „Venedig des Périgord“ an der Dronne, und hatten bei bestem Wetter einen sehr schönen Abschlussabend bevor es ins Bett ging und am Montag um 7 Uhr früh die Abfahrt zurück nach Östringen angesetzt war.

Unbedingt hervorzuheben ist die große Herzlichkeit mit der ich persönlich, wir als Schüler und die gesamte Gruppe von den Einwohnern unserer Partnerstadt empfangen wurden und die die wichtigste Zutat zu unserer sehr schönen und natürlich viel zu kurzen Zeit dort war. Dieses Wochenende wird uns sicherlich lange in Erinnerung bleiben. (Sebastian, Rike, Mara)

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