Per Anhalter durch die Informatik – Zwischenstopp Stadtbücherei Östringen

Artikel geschrieben von Ophelia Röder (11e)

Ein Abend mit dem Autor Thomas Stirner

Die warme Geräuschkulisse, das vor Vorfreude heitere Stimmengewirr, dämpfte sich zu einem Flüstern, als Thomas Stirner nach vorne zu seinem Laptop trat. Der Projektor begann gemächlich zu surren – alles verstummte –, denn nun nahm uns Herr Stirner mit auf eine abenteuerliche, kunterbunte Reise durch die Informatik.

Am 12. Oktober lud die Stadtbücherei Östringen in Kooperation mit dem Freundeskreis des LGÖ um 19:00 zum Vortrag „Per Anhalter durch die Informatik“ ein. Thema war Herrn Stirners selbstpubliziertes gleichnamiges Sachbuch, ein farbenfrohes, ansprechendes und comic-artiges Weichcover, das 2025 erschien. Der Titel ist natürlich von Douglas Adams‘ Buch inspiriert, welcher gleich zu Beginn schon die ersten Lacher erzielte. Die knallige Illustration verdankt das Buch der argentinischen WG-Mitbewohnerin seiner Tochter Lucia Chardon, die extra zum Vortrag mitgekommen war und sich sehr über die besondere Danksagung freute. 

Nach einer kurzen Begrüßung durch Jessica Wiens (Leiterin der Stadtbücherei) und Carola Zabler (Vorsitzende des Freundeskreises des LGÖ), überließen sie Herrn Stirner die Bühne. Mit seiner humorvollen, lebensfrohen und leidenschaftlichen Art holte er das Publikum direkt ab. Es wurde viel gelacht und gestaunt, während er uns die Basics der Informatik durch einen spielerischen Bezug zur Gegenwart erklärte. 

Auf unserer Reise begegneten uns Berühmtheiten wie Mona Lisa und Jack Sparrow („Pardon, Käpten Jack Sparrow“), komplexe Themen und einfache Erklärungen. Eine Vorstellung für Jung und Alt, denn obwohl das Publikum, wie erwartet, überwiegend älter war, freute man sich umso mehr über den Anblick einiger Schülerinnen und Schüler unserer Schule. Mithilfe philosophischer Fragen wie „Existiert Information, ohne dass sie kommuniziert wird?“ bot Stirner auch anspruchsvollerer Kost für die Nerds unter uns (die Antwort auf diese Frage gibt es weiter unten). 

Karten, Rechenaufgaben und die berühmte Ultimate Maschine (von den Fantasielosen auch „Useless Box“ genannt) durften natürlich nicht fehlen und halfen, das Publikum miteinzubeziehen. 

Alles in allem war der Vortag spannend, kurzweilig, vielschichtig und sehr unterhaltsam. Ein gelungener Abend der Stadtbücherei, der bei Getränken und dem einen oder anderen Gespräch gemütlich ausklang. 

Aber wir von Post-It könnten uns nicht Reporter nennen, hätten wir Herrn Stirner nicht auch noch mit einem Interview Löcher in den Bauch gefragt. Von Einrad fahrenden Mathematikern über KI als Blackbox bis hin zum Perfektionismus: Thomas Stirner teilte mit uns seine Gedanken, Überzeugungen und gab dabei auch ein Stück seiner Persönlichkeit preis.

Gab es in ihrem Leben einen bestimmten Moment, in dem Ihnen klar wurde, dass Sie später beruflich in der Informatik tätig sein möchte?

Stirner: Zuerst habe ich Chemie studiert und als ich mich dann am KIT in Karlsruhe beworben habe, wurde ich gefragt, ob ich mir zusätzlich vorstellen könnte, Informatik zu unterrichten. Ich meinte: „Kein Problem!“ Ich hatte nämlich lange Zeit vorher gemeinsam mit einem Partner eine Computer-Firma und habe vieles von der Pike auf gelernt. Denn die Informatik hat mich schon immer interessiert. 

Sie haben in Ihrer Jungend auch unsere Schule besucht. Welche ganz besondere Erinnerung haben Sie an das LGÖ?

Stirner: Ich habe viele schöne Erinnerungen an unsere Schule. Gerade in der 11. Klasse habe ich mehr gelacht als jemals zuvor oder danach. Ich kannte damals auch viele Lehrer, die heute gar nicht mehr unterrichten, das waren schon teilweise Originale. 

Haben Sie einen Wissenschaftler, der Sie besonders fasziniert und dem Sie sich verbunden fühlen?

Stirner: Viele! Einen davon werde ich heute Abend vorstellen. Man nennt ihn den Vater des Internets, Claude Shannon. Er war ein Matheprofessor am MIT, der jonglieren und Einrad fahren konnte. Was mir an ihm besonders gut gefällt, ist, dass er unglaublich schräge und gleichzeitig super gute Ideen hatte. Doch von sich selbst meinte er, er habe unheimlich viel Zeit zugebracht mit Dingen, die völlig nutzlos seien.

Was ist für Sie die größte wissenschaftliche Erfindung? Und welche Hoffnungen und Sorgen macht sie Ihnen?

Stirner: Das ändert sich natürlich von Zeit zu Zeit. Im Moment ist es diese unglaublich schnelle Entwicklung der neuronalen Netze, die Hintergrund der ganzen Künstlichen Intelligenz sind. Es ist eine Erfindung, die man überhaupt nicht unterschätzen kann und sie ist ein unglaublich mächtiges Werkzeug.

Was war Ihre Motivation, das Buch „Per Anhalter in die Informatik“ zu schreiben?

Stirner: Ich hatte während Corona Fernunterricht und musste meine Vorlesungen auf Papier bzw. auf den Rechner bringen. In dieser Zeit ist ein Skript entstanden und nach Corona dachte ich: „Jetzt habe ich schon diesen Rohbau und könnte ihn ausarbeiten.“ Primär ist das Buch zuerst für meine Studenten entstanden. Es hat mir aber richtig Spaß gemacht, denn ich liebe es bunt und konnte mich so richtig ausleben. 

Haben Sie eine Lieblingsstelle in Ihrem Buch?

Stirner: Sehr viele. Unter anderem kommen im Buch mehrere Personen vor. Man braucht immer jemanden, der sich nicht scheut, dumme Fragen zu stellen und man braucht jemanden, der kluge Fragen stellt. Es kommen Claude Shannon und ich selber vor. Zusätzlich gibt es auch noch Alfred Nerd, mein „Alter Ego“, der immer schräge Ideen hat. Es hat mir großen Spaß gemacht, die Figuren im Buch miteinander interagieren zu lassen und dabei auch viel von mir selbst einzubringen.

Wenn Sie Ihr Buch auf eine Erkenntnis reduzieren müssten, welche wäre es? Und was sollte der Leser nach der letzten Seite anders sehen als zuvor?

Stirner: Der Leser sollte mehr Selbstvertrauen gewinnen und erkennen, dass Dinge, die ihm zunächst zu kompliziert erschienen, um sie verstehen zu können, eigentlich ganz einfach und verständlich sein können.

Als Gedankenexperiment, wenn Sie mit einer Zeitreisemaschine Ihrem jüngeren Ich begegnen und etwas mit auf den Weg geben könnten, was wäre es?

Stirner: Hab mehr Vertrauen in dich selbst und trau dich, dem Gruppendruck zu widerstehen und deinen eigenen Weg zu gehen.

Ein Statement am Schluss: Warum sollte unsere Generation noch lernen, sich Wissen anzueignen, eine Vorlesung wie Ihre zu besuchen und studieren, wenn die KI doch bald alles kann?

Stirner: Dafür gibt es einen ganz einfachen Grund: Nur so kann man bewerten und überprüfen, was die KI macht. Man sollte die Basics verstehen, sonst ist man ausgeliefert! Denn wenn man nicht mehr nachvollziehen kann, was sie ausspuckt, ist sie eine „Black Box“. 

Danke, dass Sie sich Zeit für unser Interview genommen haben und noch viel Erfolg mit Ihrem Buch! 

Ein besonderer Dank gilt außerdem Frau Wiens, die mit großem Engagement den Kontakt zwischen Post-It und Thomas Stirner hergestellt und damit dieses Interview überhaupt erst ermöglicht hat. Ohne Sie wäre es nicht dazu gekommen! Ebenso möchte ich der Stadtbücherei herzlich danken, die sich unermüdlich dafür einsetzt, spannende Vorträge und Veranstaltungen auf die Beine zu stellen. Damit leistet sie einen wertvollen Beitrag dazu, Neugier zu wecken, Interessen zu fördern und Menschen für neue Themen zu begeistern.

è Und nun zu Thomas Stirners Antwort auf die Frage: „Existiert Information, ohne dass sie kommuniziert wird?“

·       Wer „Ja“ sagt, ist Philosoph.

·       Wer „Nein“ sagt, ist Informatiker.

Thomas Stirner selbst stellt sich allerdings eine Gegenfrage: „Hilft Information gegen Dummheit?“ Seine Antwort darauf ist eindeutig: „Nein.“

 

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