„Zyankali in der praktischen Streudose“ – Theater am Leibniz-Gymnasium beeindruckt

Mit freundlicher Genehmigung der BNN.

Bildunterschrift: LACHERFOLGE UND SPANNUNG bot die Krimikomödie „Arsen und Spitzenhäubchen“ der Theater-AG am Leibniz-Gymnasium Östringen mit Rebecca Debele, Florian Stolz, Lara Sauer, Nikolaus Reibl sowie Sophie Elter und Anastasiya Gorbova (von links). Foto: psp

Was das Premieren-Publikum vom aktuellen Stück der Theater-AG des Leibniz-Gymnasiums Östringen (LGÖ) hielt, zeigte es bereits nach gut einer Stunde zur Pause: Es applaudierte anhaltend und hatte es gar nicht eilig zu Getränken und Snacks zu kommen. Bis dahin hat-ten die jungen Darsteller den Besuchern in der voll besetzten Schulaula bereits einen gelungenen Cocktail aus schauspielerischem Können, Spielleidenschaft und Engagement serviert, den sie bis zum Ende immer wieder neu mixten. „Arsen und Spitzenhäubchen“, das, laut Heyne-Filmlexikon „Meisterwerk schwarzen Humors“ nach Joseph Kesselring wurde in der Inszenierung der LGÖler unter Regie von Lothar Schumann zu einem Meisterwerk auf der Schulbühne.

Nahe an der Übersetzung von Helge Seidel, waren es doch gerade die kleinen Abweichungen, die aus der Komödie ein LGÖ-Stück machten, wie beispielsweise der Gift-Express-Bote Karl Schumann, der „Strychnin Standard und Zyankali in der praktischen Streudose“ lieferte. Diese Zutaten brauchen die beiden Schwestern Abby und Martha, da sie insbesondere ihren hausgemachten Holunderwein gerne mit Arsen, Strychnin und „einer Prise Zyankali“ würzen.

Weil sie generell so wohltätig unterwegs sind, erlösen sie mit größtem Vergnügen vor allem alleinstehende Herren für immer von ihrer Einsamkeit, Mrs. Gibbs (Sophia Emminghaus) wird gerade noch vom einschreitenden Neffen Mortimer in die Flucht geschlagen, bevor sie vom Wein kosten kann. Sophie Elter und Anastasiya Gorbarova gelingt es als mordlustige Schwestern brillant, genau diesen makabren Irrwitz von liebenswürdigerger, naiver Kaltblütigkeit mit großartiger Präsenz darzustellen.

Ihr durchgeknallter Neffe Teddy (ausgezeichnet Benjamin Kausch), der sich für Präsident Roosevelt hält, wird als Totengräber in den Keller geschickt, währenddessen Bruder Mortimer (hervorragend Florian Stolz) versucht, den „galoppierenden Wahnsinn“ zu begrenzen und dabei seine Verlobte Elaine (überzeugend Rebecca Debele) aus allem heraus zu halten.

In einer Paraderolle greift eine herausragende Lara Sauer als kaltschnäuzige „Schwester, über die wir nicht sprechen“ Josie in das Geschehen ein. Sie hat nicht nur ein neues Gesicht von ihrem ebenfalls von Leichen gepflasterten Weg mitgebracht, sondern auch gleich „Dr. Einstein“ (Nicolas Reibl) für alle Eventualitäten. Weder Reverend Harper (Sebastian Heinzenburger) noch die Polizei (Linus Haag, Mattis Keydel, Lea Neckermann) und schon gar nicht der in anderen Sphären schwebende Officer O’Hara (Marius Müller) und die Kollegen Brophy (Mattis Keydel) und Klein (Lea Neckermann) durchschauen die charmante Hinterlist von Abby und Martha. Was aus Mrs. Witherspoon (Antonia Schackmann), Leiterin der Anstalt „Zum glücklichen Tal“ wird – nun, die Tanten wollen der Nichte Josie in nichts nachstehen, die sich mit 13 Leichen brüstet.

Petra Steinmann-Plücker

About "BNN"