Exkursion des Biologie-Neigungskurses der JS2 des LGÖ in den Heidelberger Zoo

Wie leben Tiere im Zoo? Wie verhalten sie sich gegenüber anderen Artgenossen und was kann dieses Verhalten Aufschluss über eine ganze Art geben? Mit diesen und vielen weiteren Fragen befassten wir, der Biologie 4-Stünder der JS2, uns bei einer Exkursion in den Heidelberger Zoo. Anstatt die letzten, verbleibenden Unterrichtsstunden nach dem Abitur nur noch ungenutzt verstreichen zu lassen, entschlossen wir uns, eine Führung passend zum Thema „Methoden der Verhaltensforschung“ zu unternehmen. Wir, zwei Schülerinnen des Neigungskurses nutzten die Chance auf eine neue Erfahrung durch eigenständige Planung und Organisation der gesamten Exkursion, einschließlich der Fahrt.

Zielort der Führung war die Besichtigung des Affenhauses, in dem wir uns näher mit den Schimpansen und Gorillas befassten. Diese beiden Affenarten gehören neben den Orang-Utans und Bonobos zu den Menschenaffen, haben zusammen mit den Homo sapiens  gemeinsame Vorfahren und zeigen im Vergleich zu anderen Affenarten aufgrund ihres größeren Gehirns ein menschenähnliches Verhalten.

Ausgehend davon bestand unsere erste Aufgabe darin ein sogenanntes Ethogramm zu erstellen. Dabei werden alle Beobachtungen einer ausgewählten Affenart auf einem Blatt Papier notiert, um gezielte Aussagen über artspezifisches Handeln zu treffen. Bereits hier zeichneten sich einige Schwierigkeiten ab. So mag das reine Betrachten der Tiere auf den ersten Blick einfach erscheinen, doch war es gar nicht so einfach Beobachtungen nicht gleich zu deuten und sachlich zu bleiben (richtig: „der Schimpanse liegt regungslos auf dem Boden und hat die Augen zu“; falsch: „der Schimpanse schläft“). Auch verschiedene Störfaktoren, wie Gärtner oder zahlreiche Schulklassen führten dazu, dass sich die Affen schnell ablenken ließen, doch erstaunlicherweise kamen wir bei der Besprechung zu übereinstimmenden Ergebnissen.

Daraufhin wandten wir uns der Fokus-Tier-Methode zu.

Hierbei sollte sich jeder eines der Tiere heraussuchen und in einer Tabelle verschiedene Verhaltensweisen und die Anzahl der Beobachtungen festhalten. Unglücklicherweise war genau zu diesem Zeitpunkt Fütterungszeit, weshalb auch hier unsere Geduld erneut auf die Probe gestellt wurde.

Als letztes beschäftigten wir uns noch mit der Raumnutzung unseres jeweiligen Tieres, wofür wir eine Skizze des Geheges anfertigen und die Orte notieren sollten, an denen es sich in der Beobachtungszeit aufhielt. Dadurch können Schlüsse zu individuellen „Lieblingsorten“ oder auch zum Verhalten von Tieren gegenüber anderen Artgenossen gezogen werden.

Auch wenn die Größe des Geheges natürlich nicht mit dem Freiraum in der Natur zu vergleichen ist und die Tiere im Zoo dementsprechend eng aufeinander leben, ließen sich dennoch Parallelen erkennen, wie z.B. bei ihrer gegenseitigen Körperpflege, dem „Grooming“, das dabei hilft Spannungen innerhalb der Gruppe abzubauen und Konflikte zu verhindern.

Trotz der widrigen Umstände und eines nicht gerade sehr einladenden Wetters für einen Zoobesuch können wir uns sehr glücklich schätzen, dass uns unsere Lehrerin Frau Mändler diesen gelungenen Abschluss möglich gemacht hat. Nicht zuletzt die Begeisterung und das Interesse unserer Mitschüler während und nach der Führung haben uns bestätigt, dass Biologie als vierstündiges Fach in der Oberstufe eine richtige Wahl war und dass das gelernte Wissen sehr gut in der Praxis angewandt werden kann.

Von Carla Buchmüller und Julia Reinbold

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